Vegetation an Bahnstrecken / Projektdokumentation

Wie erkennt man Bäume, die für Bahnstrecken relevant werden könnten?

Eine Machbarkeitsstudie zur automatisierten Erfassung von Vegetation entlang der Schiene – aus Luftbildern, räumlichen Messdaten und nachvollziehbaren algorithmischen Regeln.

Die Idee: Statt große Streckenabschnitte ausschließlich manuell zu sichten, werden vorhandene Geodaten so ausgewertet, dass auffällige Vegetationsbereiche zunächst digital sichtbar werden. Daraus kann eine Grundlage für gezieltere Kontrollen entstehen.

Ausgangsfrage

Hohe Vegetation, lange Strecken, begrenzte Übersicht.

Ein Baum kann nah am Bahngleis stehen, ohne zwingend eine Gefahr darzustellen. Für präzise Aussagen muss bekannt sein, wo Vegetation wächst und wie hoch sie ist.

Die Herausforderung dieser Studie war, diese Informationen aus unterschiedlich aufgebauten Geodatensätzen zu gewinnen und auf einen gemeinsamen geografischen Bezug zu bringen.

Originales hochauflösendes Luftbild mit Wald, Wohngebiet und Vegetationsbeständen
A / Luftbild in natürlichen Farben
Dasselbe Gebiet als Color-Infrarot-Bild: Vegetation erscheint deutlich rot
B / Color-Infrarot-Darstellung: Vegetationsbereiche heben sich deutlicher vom Umfeld ab.

Das Vorgehen

Zusammenführen unterschiedlicher Geodaten.

Die Datenverarbeitung folgt einer gut dokumentierten, nachvollziehbaren Abfolge. Mit jedem Schritt versuchen wir Vegetation einzugrenzen, welche für den Gleisbereich relevant sein könnte.

  1. 01

    Daten prüfen und vereinheitlichen

    Luftbilder und 3D-Laserscandaten werden kontrolliert, bereinigt und räumlich aufeinander abgestimmt.

  2. 02

    Oberflächen und Vegetation erkennen

    In 3D-Punktwolken werden Boden, Gebäude und Vegetation klassifiziert.

  3. 03

    Informationen kombinieren

    In Bildern detektierte Vegetationsflächen und 3D-Höheninformationen werden zusammengeführt.

  4. 04

    Baumbestände eingrenzen

    Was übrig bleibt ist am Ende Vegetation, die 6 Meter übersteigt und in der betrachteten Bewirtschaftungsfläche liegt.

Originales Luftbild mit Baumkronen vor der algorithmischen Bildaufbereitung
Luftbild: einzelne Baumkronen und Schatten.
Gleiches Luftbild mit algorithmisch geglätteten und gruppierten Bildbereichen
Bildanalyse: ähnliche Vegetationsbereiche zusammengefasst.
Klassifizierte 3D-Messpunkte aus senkrechter Perspektive, Vegetation grün, Gebäude rot
3D-Punktwolke in Top-Down-Ansicht: Gelände (violett), Vegetation (grün), Bebauung (rot).
Perspektivische Ansicht der klassifizierten Messpunkte mit dreidimensionalen Bäumen
Dreidimensionale Ansicht: Gelände (violett), Vegetation (grün), Bebauung (rot).

Ergebnisse der Machbarkeitsstudie

Vegetation lässt sich zuverlässig detektieren und abgrenzen

Die Ermittlung von Vegetationsbeständen, insbesondere über sechs Metern, ist gesichert möglich.

  • Was funktioniert:Zusammenführen der Bild- und Höheninformationen und räumliches Eingrenzen relevanter Vegetationsbereiche.
  • Was nicht möglich ist:Einzelbäume innerhalb dichter Gruppen konnten nicht voneinander abgegrenzt werden.
  • Was offen blieb:Baumart und Vitalität sowie das tatsächliche sturmbedingte Ausfallrisiko konnten aufgrund der Datenlage nicht ermittelt werden.
Visualisierung eines Ergebnisses aus der Machbarkeitsstudie
Vegetationsflächen im Gleisbereich.

Mögliche Weiterentwicklung

Von der Vegetationserkennung zur Sturmrisiko-Vorprüfung

Auf den identifizierten Baumbeständen könnte eine weitere Analyse aufbauen: Welche Bäume können den Gleisbereich bei einem Umsturz überhaupt erreichen, und wo lohnt sich eine genauere Kontrolle?

Konzeptskizze

Als erster Schritt lässt sich die geometrische Fallreichweite aus Baumhöhe und Abstand zum Gleis abschätzen. Erst zusätzliche Merkmale und Metadaten ermöglichen eine fundiertere Risikobewertung.

  • Geometrie: Höhe und Lage zur Gleisinfrastruktur.
  • Standort: Geländeform, Hangneigung und Windexposition.
  • Baumzustand: Informationen zu Stabilität und Vitalität.
  • Bewertung: Prioritäten für die anschließende, fachliche Kontrolle.

Entscheidende Unterscheidung: Ein im Risikobereich liegender Baum sagt nicht zwingend etwas über die Wahrscheinlichkeit eines Umsturzes bei einem Sturm aus.

Fallreichweite nachvollziehen

Eine vereinfachte geometrische Vorprüfung – zum Ausprobieren.

BaumstandortGleisFallreichweite: 14 m
Gleis potenziell erreichbar

In diesem vereinfachten Modell reicht die Baumhöhe bis zum Gleis.

Schematische Darstellung; Keine individuelle Baumdiagnose, keine Umsturzwahrscheinlichkeit und keine validierte Sicherheitsbewertung.